Grimma: Husarenkaserne / Königin-Carola-Kaserne

Grimma: Husarenkaserne / Königin-Carola-Kaserne

Fakten

Eröffnet: 1893 / 1903 / 1915
Leerstand seit: 1993
Bezeichnungen: Husarenkaserne / Königin-Carola-Kaserne / Riemann-Kaserne

Geschichte

Nutzung als Kaserne

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten zahlreiche Husaren mit ihren Pferden in den Hinterhöfen der Grimmaer Bürger. Da dies kein langfristiger Zustand sein konnte, eröffnete man am Südwest-Rand der Stadt 1893 die „Königin-Carola-Kaserne“ mit Wohngebäuden, Offizierskasino, Lazarett, diversen Stallungen sowie Wachgebäuden. Damals handelte es sich noch um ein recht kleines Areal am Wasserwerkweg mit angrenzender Reitbahn Richtung Leipziger Straße. An der Stelle der damaligen Gebäude findet man heute ein Sportzentrum. Lediglich einige Baracken direkt am Weg stehen noch.

1902 erweiterte man das Gelände stark in Richtung Leipziger Straße. So entstanden damals unter anderem das heutige Haus B des Finanzamts und die diversen heute noch erhaltenen und langsam verfallenden Stallungen.  Während des Ersten Weltkriegs stellte man weitere Gebäude fertig, wie zum Beispiel ein weiteres großes Mannschaftshaus, welches heute als Haus A des Finanzamts dient. Mit dem Ersten Weltkrieg war jedoch die Zeit der Husaren vorbei. Bis 1929 zogen französische Besatzungsmächte ein, ehe man schließlich die Gebäude bis 1936 zum zivilen Wohnraum umfunktionierte.

Mit dem Aufstreben der Nationalsozialisten fiel die Husarenkaserne wieder militärischen Zwecken und damit der Wehrmacht zu. Die Stallungen nutze man inzwischen als Fahrzeughallen. Unter dem Namen „Riemann-Kaserne“ erhielt der Standort noch weitere Anbauten und erlangte damit seine historisch größte Ausdehnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sowjetische Besatzungstruppen ein. Ab 1956/57 war in Grimma die 20. Garde-Motorisierten Schützendivision stationiert.

Teilsanierungen

Mit dem Fall der Sowjetunion war es auch um die Husarenkaserne geschehen. Zwischen 1991 und 1994 zogen die Besatzungstruppen aus. 1993 übergab man das Areal an die deutsche Verwaltung. Seitdem herrschte Leerstand. 2002 sanierte man schließlich das größte Mannschaftsgebäude und nutzte es fortan als Finanzamt. Mit der Zusammenlegung der Finanzämter Borna und Grimma folgte zwischen 2013 und 2016 der Ausbau des benachbarten Mannschaftsgebäudes. Beide historische Bauten verband man mit einem Zwischenbau.

Blickt man vom Parkplatz des Finanzamts auf die andere Seite der Leipziger Straße zur Hausnummer 73 kann man noch das alte Krankenhaus entdecken. Dieses begann als Garnisons-Lazarett der Husarenkaserne und wurde zu Zeiten des Ersten Weltkriegs zum Krankenhaus umfunktioniert. Auch wenn das Gelände noch bewirtschaftet wird, hat sich der Verfall hier inzwischen ebenfalls breit gemacht.

Auf dem Gelände des 1893 errichteten Kasernenteils begann man 2018 mit dem Bau eines Sportzentrums, unter anderem für den FC Grimma. Nach mehrmaligen Überflutungen des alten Sportgeländes sah man sich zu dieser vier Millionen Euro teuren Investition hingezogen. Inzwischen ist der Komplex fertiggestellt und freut sich reger Benutzung.

Ausblick

Für das verbleibende Kasernengelände bestehend aus Reithalle und Stallungen gibt es jedoch keine weiteren konkreten Nutzungspläne. Zwar möchte ein Investor dort 150 Wohneinheiten entstehen lassen, doch müssen sich diese Vorhaben erst noch an der Realität beweisen. Das noch stehende Offizierskasino in der Husarenstraße 3 teilt kein besseres Schicksal. Auch hier regiert der Zerfall.

Galerie

Quellen

Leipziger Volkszeitung
Karten Deutsche Fotothek 1902 / 1906 / 1910 / 1914 / 1925 / 1940 / 1946
Medienportal Grimma #1 / #2
Museum Digital
Museum Grimma
Reise Rainer
Sachsen
Schwarze Lichter der Stadt
Sachsenschiene

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert