Fakten
Erbaut: 1955
Leerstand seit: 2003
Bezeichnungen: Nachtsanatorium J. W. Stalin, Seniorenpflegeheim Bad Schlema
Geschichte
Nachtsanatorium
Minenarbeit ist hart und anstrengend. Dies erkannte auch die SDAG Wismut zu Zeiten des Uranbergbaus. Um nun die Gesundheit und somit auch die Produktivität der Bergarbeiter zu steigern, begann man in den 1950er-Jahren mit dem Bau von Nachtsanatorien. Das erste seiner Art in der DDR entstand 1955 in Niederschlema. Hier konnten die Bergleute nach ihrem Schichtende einkehren und etwas Erholung und medizinische Betreuung finden. Auf die Ruhe der Nacht folgte tags darauf die nächste Schicht. Diese Art der Kurzerholung war üblicherweise für Zeiträume von zwei bis vier Wochen möglich. Teilweise schickte man gar ganze Brigaden zur Kollektiverholung in das Nachtsanatorium. Auch fanden hier zu Beginn noch Voruntersuchungen statt.
Mit der Wende 1990 waren der Uranbergbau und somit auch die Wismut größtenteils ein Kapitel der Vergangenheit. Das Nachtsanatorium ward nicht mehr benötigt. Stattdessen zog ein Alten- und Pflegeheim ein. 2001 begann die Diakonie mit der Sanierung ihres Seniorenpflegeheims in der Hohen Straße in Bad Schlema. Um den nötigen Platz für die Bauarbeiten zu schaffen, zogen die Senioren temporär in das ehemalige Nachtsanatorium. Dort blieben sie bis zur Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im November 2003. Seitdem steht das Areal im Wald der Auer Talstraße leer.
Genesungs- bzw. Kinderheim
Unweit des alten Wismut-Gebäudes liegt noch ein weiteres interessantes Bauwerk. Direkt am Wegesrand schlummert in der Auer Talstraße 62 noch ein altes Kinderheim. Dieses wurde vermutlich gegen 1905 errichtet. Zumindest hielt man es damals zum ersten Mal auf einer Karte als Genesungsheim fest. 1929 fügte man dem Gebäude noch einen Anbau hinzu. Besonders bemerkenswert ist die verzierte und detailverliebte gelbe Backsteinfassade, die sich über die fünf Etagen des Baus erstreckt. Inzwischen wurden einige Teile des Gebäudes saniert. So erhielt das alte Kinderheim neue Fenster, eine neue Heizung und neue Leitungen. Das ganze sicherte man mit entsprechender Überwachungstechnik. Über die genaue Historie des Objekts sowie dessen aktuelle Nutzung ist jedoch allgemein wenig bekannt.
Ausblick
Für das benachbarte Nachtsanatorium lassen sich keine solche Maßnahmen berichten. Aktuell nutzen lediglich Paintballer das Gelände sporadisch als Übungsplatz. Daran änderte auch die Bewerbung der Region Erzgebirge als Unesco-Weltkulturerbe nichts. Ursprünglich stand das Nachtsanatorium mit auf der Liste der zu meldenden Gebäude. Letztlich entschied man sich in Bad Schlema jedoch dagegen. Stattdessen legte man 2020 frühe Ideen für eine Umnutzung vor. So möchte man auf dem Gelände eine Mehrzweckhalle errichten. Konkretes kann aber auch hier bisher nicht vermeldet werden.
Quellen
Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg
Diakonie Aue-Schwarzenberg
Freie Presse
Geocaching
Karten Deutsche Fotothek 1876 / 1905
Sachsen Bürgerbeteiligung
Travelpixels
Wikipedia


